Eine Verbindung stellt sich vor

Die wenigsten Studenten sind zu Beginn des Studiums mit Studentenverbindungen vertraut und erfahren oft nur aus zweiter oder dritter Hand, was wirklich hinter dem Begriff steht. Ein kleiner geschichtlicher Abriß der Studentenverbindungen soll deshalb vorausgeschickt werden:

Seit den Universitätsgründungen im Mittelalter schlossen sich die Studenten in Verbindungen zusammen, die zunächst nach landsmannschaftlichen Aspekten gegründet wurden. Auch an den Universitäten war man so nach territorialen Gesichtspunkten aufgeteilt, wie es der Zersplitterung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation entsprach.

Nach der Fremdbestimmung durch Napoleon entwickelte sich in Deutschland während der Freiheitskriege der Drang vor allem des Bürgertums nach der Einheit Deutschlands. Auch die Ideen der Französischen Revolution waren in diesen Jahren im Volke, gerade unter den Studenten, populär geworden.

In Jena schlossen sich infolge dieser Entwicklung im Jahre 1815 Studenten, die vielfach bereits in den Befreiungskriegen gekämpft hatten, in der Jenaer Burschenschaft zusammen, die an die Stelle der bisher bestehenden Verbindungen trat. Unter dem Wahlspruch "Ehre! Freiheit! Vaterland!" setzten sich diese Studenten für die Einheit Deutschlands und die Freiheit seiner Bürger ein. In der Folgezeit bildeten sich an fast allen deutschen Universitäten Burschenschaften, die im Laufe der Jahre an Bedeutung gewannen. Die Entwicklung gipfelte in der Revolution im März 1848 und der Ausarbeitung der ersten gesamtdeutschen Verfassung, an der Burschenschafter maßgeblich beteiligt waren.

Das Dasein der Burschenschaft Franconia erschöpft sich jedoch nicht in der Pflege des historischen Bewusstseins. Seit der Gründung 1877 vereint Franconia das Streben nach fundierter akademischer Ausbildung mit einem das Studium überdauernden Freundesbund.

Gerade in der heutigen Massenuniversität, die den einzelnen Studenten verwaltet anstatt ihn zu betreuen, ist es von Bedeutung, private Kontakte zu knüpfen. Mit unseren Alten Herren, ehemaligen Studenten, die nun im Berufsleben stehen, bilden wir eine Gemeinschaft, in der sich alle gegenseitig unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Erfolgreiches und effizientes Studieren ist für uns eine Sebstverständlichkeit. Durch selbstorganisierte Vortragsabende, Kurzreisen oder gesellige Feiern behalten wir auch über unser Studienfach hinaus den Blick für andere Dinge und finden Abwechslung und Spaß am Ende eines anstrengenden Studientages.

Mittelpunkt unserer Aktivitäten ist unser Verbindungshaus, das ca. 15 Minuten Fußweg von der Universität entfernt im Villenviertel Wiehre liegt. Hier finden wir ein Studienzimmer mit Internetzugang, Gemeinschaftsräume und (fast) allem, was das studentische Herz begehrt!

Das Verbindungsleben ermöglicht nicht zuletzt viele Kontakte zu Studenten anderer Universitäten, vor allem zur Burschenschaft Alemannia Marburg, mit der uns seit unserer Gründung eine enge Freundschaft verbindet. Einmal im Jahr treffen wir uns in unserem Ferienhaus in Hinterzarten, das auch sonst eine ideale Ausgangsbasis für Schwarzwaldtouren ist.

Hinter all diesen Annehmlichkeiten steht jedoch unser burschenschaftliches Bewusstsein, das auch heute von uns das Einstehen für "Einigkeit und Recht und Freiheit" verlangt und uns von einer reinen Zweckgemeinschaft unterscheidet. Äußeres Zeichen dieser Verbundenheit sind unsere Farben, die wir bei gemeinsamen Veranstaltungen tragen.