Alexander Mitscherlich

Alexander Mitscherlich wurde 1836 als jüngstes Kind des damals berühmten Chemikers Eilhard Mitscherlich in Berlin geboren. In seinem Geburtshaus in der Dorotheenstraße verkehrten namhafte Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt, der sogar Alexanders Taufpate wurde. Dieser zeigte bereits in der Schulzeit am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und am Köllnischen Realgymnasium Interesse an der Chemie und experimentierte im Labor seines Vaters. In der Jugendzeit unternahm er erste Reisen ins Ausland, etwa nach Paris.

 

Zum Wintersemester 1857/1858 begann Mitscherlich ein Studium, zunächst an der Universität Göttingen, wo er in die Burschenschaft Hannovera eintrat. Weil sein Vater nicht wollte, dass er von anderen Chemikern beeinflusst wurde, studierte er in Göttingen Medizin und kehrte nach dem Semester auf Betreiben seines Vaters nach Berlin zurück. An der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte er vor allem Chemie bei Eilhard Mitscherlich, hörte aber auch Vorlesungen bei Professoren wie Gustav Rose (Mineralogie), Ernst Eduard Kummer (Mathematik), Heinrich Wilhelm Dove und Heinrich Gustav Magnus (Physik). 1861 schloss er sein Studium mit einer Promotion über die Minerale Alaunstein und Loewigit ab.

1862 wurde er Assistent des Chemikers Friedrich Wöhler in Göttingen, bevor er sich einige Zeit in London und Cambridge aufhielt und in Paris Mitarbeiter von Adolphe Wurtz war. Als er erfuhr, dass sein Vater schwer erkrankt war, ging er im Frühjahr 1863 zurück nach Berlin und vertrat ihn in seinen Vorlesungen. Nach seiner Habilitation über Spektralanalyse und dem Tod des Vaters im August wurde Mitscherlich Privatdozent für Experimentalchemie an der Berliner Universität. 1867 gehörte er zu den Gründern der Deutschen Chemischen Gesellschaft.1868 wurde er schließlich auf eine Professur für anorganische Wissenschaften an die neu gegründete Forstakademie in Hannoversch Münden berufen.

 

In Münden hielt Mitscherlich Vorlesungen über Chemie, Physik und Geologie. Er hatte ein eigenes Labor und einen Assistenten und war mit seiner Stellung zunächst zufrieden. Als der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, wurde Mitscherlich im August 1870 Soldat. Er kämpfte als Wachtmeister und Offizier bis zum März 1871 in verschiedenen französischen Dörfern. Auf der Rückreise lernte er Wilhelmine Höpker kennen, die er kurz darauf heiratete. Alexander Mitscherlich ist der Vater des Staatswissenschaftlers Waldemar Mitscherlich und Großvater des Psychoanalytikers Alexander Mitscherlich.

 

Im Sommersemester 1892 wurde er Ehrenmitglied der Burschenschaft Franconia Freiburg. Die Stadt Hann. Münden hat 1936 die Straße, an der sein Labor stand, nach ihm benannt. Nachdem 1968 sein ehemaliges Laborgebäude dem Grotefend-Gymnasium Münden weichen musste, wurde 1980 ein Gedenkstein aufgestellt