Hans - Heinrich Jescheck

Hans-Heinrich Jescheck wurde am 10. Januar 1915 in Liegnitz in Schlesien als Sohn eines Justizrats geboren. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Liegnitz studierte Jescheck in Freiburg, München und Göttingen Rechtswissenschaften und trat im Sommersemester 1933 der Burschenschaft Franconia bei. Auf die Promotion zum Dr. jur. trat Jescheck nach Bestehen beider juristischer Staatsexamen folgte sein Eintritt in die Verwaltungslaufbahn. Gleichzeitig habilitierte er sich 1949 als Dozent für ausländisches und internationales Strafrecht an der Universität Tübingen. In gleicher Eigenschaft las er ab 1952 an der Universität Bonn, nachdem er 1953 Ministerialrat im Bundesjustizministerium geworden war.

 

1954 wurde er ordentlicher Professor für Deutsches und Ausländisches Strafrecht, -prozess- und Zivilprozessrecht sowie forstliche Rechtskunde an der Universität Freiburg. Er übernahm die Leitung des Universitätsinstituts für ausländisches und internationales Strafrecht, das ein Institut der Max-Planck-Gesellschaft wurde. Jescheck war auch Richter am OLG Karlsruhe.

1965/66 war er Rektor der Universität Freiburg gewesen. Unter Jeschecks Vorsitz beschäftigte sich eine Kommission der Max-Planck-Gesellschaft 1978 mit der weiteren Zukunft des bis dahin geleiteten Starnberger Max-Planck-Instituts zur "Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt". Entsprechend den Empfehlungen wurden die auf Prof. von Weizsäcker zugeschnittenen Arbeiten nach 1980 nicht weitergeführt. Unter Leitung von Prof. Dahrendorf sollte das Institut als M.P.-Institut für Sozialwissenschaften mit einem relativ kleinen Mitarbeiterstab weiter tätig sein, doch nahm Dahrendorf nicht an. Auch Prof. Habermas resignierte 1981.

 

Veröffentlichungen: "Die juristische Ausbildung in Preußen und im Reich" (39), "Die Verantwortlichkeit der Staatsorgane nach Völkerrecht. Eine Studie zu den Nürnberger Prozessen" (52), "Entwicklung, Aufgaben und Methoden der Strafrechtsvergleichung" (55), "Das Menschenbild unserer Zeit und die Strafrechtsreform" (57), "Strafrecht und Strafrechtsanwendung" (62), "Pressefreiheit und militärisches Staatsgeheimnis" (64), "Aufbau und Behandlung der Fahrlässigkeit im modernen Strafrecht" (65), "Beweisverbote im Strafrecht" (66) und "Lehrbuch des Strafrechts" (Allgemeiner Teil; 3. Aufl. 78). Auch in Fachzeitschriften und Sammelwerken ist J. häufig mit Beiträgen hervorgetreten, meist über strafrechtliche und rechtsvergleichende Fragen. Als einer der ersten Kenner der Materie wurde er 1973 zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Rechtsvergleichung gewählt. Er ist auch einer der Vizepräsidenten der Assoc. intern. du Droit Pénal.

 

An den Diskussionen der Deutschen Juristentage und an Tagungen anderer juristischer Gremien nahm Jescheck als einer der führenden Strafrechtler der Bundesrepublik immer wieder teil und erarbeitete z. B. das Rechtsvergleichende Gutachten für den 46. Deutschen Juristentag 1966. Er war unter anderem nach 1955 Mitherausgeber der "Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft" und nach 1956 auch der "Revue International du Droit Pénal", sowie Herausgeber des StGB-Teils des Leipziger Kommentars. Nach 169 Farbensemestern verstarb Hans - Heinrich Jescheck am 27. September 2009 in Freiburg.

 

aus: Eintrag "Jescheck, Hans-Heinrich" in Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/0000000975